Fachkonferenz beweist Offenheit gegenüber neuen Jagdmethoden

Zu einem gut dreistündigen Fachgespräch Jagd trafen sich am Dienstag, 26. Februar 2019, auf Einladung der Gemeindeverwaltungen Kleinmachnow und Stahnsdorf rund 20 Jagd- und Wildtierexperten, darunter Vertreter der obersten Jagdbehörde (Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft; MLUL), der unteren Jagdbehörde (Landkreis Potsdam-Mittelmark), der Jagdgenossenschaften Stahnsdorf-Kleinmachnow, der Jagdgenossenschaft Güterfelde, des Landesjagdverbandes, des Deutschen Bogenjagdverbandes (DBJV) sowie der Landwirtschaft.

Die kurz, aber präzise vorgetragenen fachlichen Darlegungen von Prof. Dr. Achim Gruber (FU Berlin), Dr. Egbert Gleich (Kompetenzzentrum Eberswalde), Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel (emeritiert), Prof. Dr. Dr. Sven Herzog (TU Dresden) und Jan Riedel (Deutscher Bogenjagdverband) stießen auf großes Interesse. Ihre Anregungen wurden von den rund 20 Teilnehmern dankbar aufgenommen.

Zunahme der Schwarzwildpopulation unbestritten

Unbestritten ist festzustellen, dass die festgestellten Wildschäden innerorts sowie in der Feldflur insbesondere im zweiten Halbjahr 2018 – nach dem vergangenen heißen und extrem trockenen Sommer – deutlich zugenommen haben. Die Stückzahl des innerorts dauerhaft anzutreffenden Schwarzwilds hat sich jedoch nicht nur aufgrund der veränderten Witterung stark erhöht, sondern auch aufgrund der "Urbanisierung" des Wildes infolge der unverändert starken Nahrungsanreize.

Auch wenn es in Einzelfragen unterschiedliche Auffassungen unter den Teilnehmern gab, war das Fachgespräch über die gesamte Zeit hinweg von einer sachlich-konstruktiven Atmosphäre geprägt. Man kam überein, dass die am Gesamtprozess beteiligten Gruppen, also Kommunalverwaltungen, Jagdbehörden, Jagdgenossenschaften, Jagdpächter, Wildtierexperten und nicht zuletzt die Bürger gemeinsam in die Lösungsfindung einbezogen werden müssen.

Maßnahmen nur als Bündel und nicht losgelöst von anderen sinnvoll

Patentlösungen zur Handhabung der Schwarzwildpopulation liegen jedoch – auch darin waren sich alle einig – nicht losgelöst in der einzelnen Methodik, sondern allenfalls in einer wirksamen Kombination von Jagd, Aufklärung und (ordnungsbehördlicher) Kontrolle der Gesetze.

Nach den fachlichen Ausführungen wurde es dann konkret: Den Anfang machten die Jagdgenossenschaften Stahnsdorf-Kleinmachnow und Güterfelde. Sie vereinbarten eine engere Zusammenarbeit und partnerschaftliche Unterstützung, auch und gerade im Hinblick auf organisierte Jagden in den Pachtgebieten.

Hinsichtlich einer effektiven Nutzung von Sauenfängen ist den Jagdpächtern viel daran gelegen, geeignete Standorte zu finden, was in der Region TKS eine anspruchsvolle Aufgabe ist. Das MLUL sagte dafür seine aktive Unterstützung zu, was von den Jagdausübungsberechtigten mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen wurde.

Neuen Jagdmethoden und einem möglichen Jagdhelfer wird mit Offenheit begegnet

Allgemeiner Konsens in der Runde war ebenso, dass sowohl die Bogenjagd als auch die Fallenjagd– in Kombination mit weiteren jagdlichen Maßnahmen – geeignete Mittel sein können, um die Schwarzwildpopulation in der Region TKS zu reduzieren. Alle Maßnahmen haben strengen Tierschutzkriterien zu genügen.

Der am 21. Februar 2019 in der Gemeindevertretung Stahnsdorf beschlossene Maßnahmenkatalog bildet für die Gemeinde Stahnsdorf eine gute Handlungsgrundlage. In den kommenden Wochen plant die Gemeindeverwaltung Stahnsdorf, zunächst den Handlungsrahmen für einen in der Verwaltung angesiedelten Jagdbeauftragten definieren. Hierbei werden auch die Jagdpächter zu Rate gezogen.

Die anwesenden Vertreter der Jagdbehörden und die gehörten Jagdexperten gaben hinsichtlich des Einsatzes eines Gemeindejägers ihre Bedenken zur Kenntnis. Der Einsatz eines Jagdhelfers, der beispielsweise bei der tierschutzgerechten Betreuung von Saufängen unterstützt, wurde hingegen weniger kritisch gesehen. Die Gemeindeverwaltung Stahnsdorf wird diese Erwägungen bei der Erörterung des Themas in ihren Fachberatungen einbeziehen.

Ortslagen müssen möglichst unattraktiv für das Schwarzwild werden

Ein weiteres Handlungsfeld für die Gemeindeverwaltungen, aber auch die privaten Grundeigentümer, ist es, die Ortslagen für Schwarzwild möglichst unattraktiv zu machen. Dazu gehört es, die Einstände des Schwarzwilds zu minimieren, also verwilderte Grundstücke von Unterholz zu befreien und somit eine nachhaltige Vergrämung aus den Orten voranzutreiben.

Wie bereits angekündigt, plädieren die Gemeindeverwaltungen angesichts des mutwilligen Anlockens von Wild mit Speisen und Speiseresten im öffentlichen Raum dafür, Verstöße gegen das Fütterungsverbot mit maximaler Härte zu ahnden. Sie sind dazu bereit, die zuständige untere Jagdbehörde beim Landkreis Potsdam-Mittelmark bei der Durchsetzung zu unterstützen.

Die Beteiligten kamen zum Abschluss der Konferenz überein, sich 2020 zu einer Evaluationsrunde erneut zusammenzufinden.

(27.02.2019 / Gemeinsame Mitteilung der Gemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf)